Ohne Stop und Start bei Nähmaschinen

Posted on 27th Oktober 2010 in Allgemein

Aber nunmal ernsthaft: Embedded Systems ist ja schön und gut. Nur bedarf es wirklich eines abgespeckten Betriebssytems, um eine Nähmaschine zu bedienen? Wenn es denn wenigstens ein Betriebssystem wäre, könnte ich mir das schon vorstellen. Allerdings konnten bei mir die Produkte aus dem Hause Mickrigsoft immer nur näherungseise als Betriebssystem durchgehen. Andere Systeme sind mit Sicherheit auch nicht perfekt. Aber ich würde mich – meine ich absolut ernsthaft! – weigern, eine Nähmaschine zu bedienen, wenn ich wüsste, die Software stammt von Mickrigsoft. Am Ende hab’ ich blutige Finger, weil das Teil immer weiter näht, obwohl ich auf “STOP” drücke und aufhört zu nähen, wenn ich auf “START” drücke. So manches Unterfangen in der IT-Branche kommt mir vor wie ein Anruf bei Schmidbauer, um einen Reifen zu wechseln. In keiner Branche gibt es soviele Glaskugelleser (Analysten) und Palaverköppe (Manager). Liegt wahrscheinlich daran, dass es ne neue Branche ist und viel Geld zu holen, weil wachstumsträchtig. Ahnung haben die Wenigsten. Und die meisten davon haben nix zu sagen.

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Technik ist nicht gleich Technik

Posted on 26th Oktober 2010 in Allgemein

Der Vergleich mit dem Messer greift meiner Meinung nach zu kurz, man sollte nicht triviale Alltagstechniken mit hochkomplexen großtechnischen Systemen gleichsetzen. Diese stellen sowohl in ihrer Produktion als auch in ihrem Gebrauch und vor allen Dingen in ihrer eigendynamischen Entwicklung eine ganz andere Kategorie von Technik dar. Charles Perrow zeigt dies beispielsweise sehr anschaulich in einer breit angelegten Studie über Atomkraftwerke, Petrochemische Anlagen, Luftverkehr, Schiffahrt, Staudämme, Raumfahrt, Kernwaffen und eben auch Genforschung (die allerdings – die Studie wurde 1984 veröffenlicht – einen weniger großen Raum einnimmt). Die zwei entscheidenden Merkmale von Großtechnischen Systemen sind bei ihm Komplexität und Kopplung – besitzt ein System eine hohe Komplexität und sind die verschiedenen Subsysteme und Komponenten zudem eng gekoppelt, kann es zu unerwarteten Interaktionen kommen, die sich dann zu Systemunfällen und unter Umständen sogar zu Katastrophen entwickeln können. Perrow zeigt dies an vielen Beispielen: Tschernobyl, Bhopal, Harrisburg, Flixborough, Challenger, etc. Der entscheidende Beitrag von Perrow liegt meiner Meinung nach in der Erkenntnis, daß diese Risiken weder durch Verbesserung der Personals (Ausbildung, Training, Ruhepausen, Kontrollen etc.) noch durch technische Verbesserungen (mehr Sicherheitssysteme und Redundanzen) gemindert werden können – dadurch wird die systembedingte Ursache – Komplexität & Kopplung – nur weitergesteigert. Der Unterschied zwischen dem Messer und der Gentechnik zeigt sich auch, wenn man sich das nicht-funktionieren bzw. das problematisch-werden vorstellt. Wenn jemand erstochen wird, beschäftigt sich die Öffentlichkeit mit dem Opfer, dem Täter und dem Motiv; das Messer an sich, ob es sicherer gestaltet werden muß, ob Messer verboten gehören, wer alles Schuld daran trägt – das alles wird nicht debattiert. Niemand gibt dem Messer oder der Verwendung die Schuld, die liegt allein im Handeln des Täters. Kommt es jedoch zu einem Unfall in einem gentechnischen Forschunglabor, bei dem vielleicht nicht nur Angestellte verletzt, sondern auch Anwohner und die Umwelt geschädigt werden, sieht die Diskussion schon ganz anders aus: Wer ist verantwortlich (in erster, zweiter, dritter Instanz)? Was war die Ursache? Wie konnte es dazu kommen? Was kann/wird in Zukunft verändert, damit es nicht mehr zu solchen Unfällen kommen kann? War es menschliches oder technisches Versagen, lag es am verwendeten Material oder war es systembedingt? Soviel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben… zum Schluß – falls es Dich näher interessiert – vielleicht noch der Titel des Buches von Charles Perrow: Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik.

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