Month: Oktober 2010

Ohne Stop und Start bei Nähmaschinen

Aber nunmal ernsthaft: Embedded Systems ist ja schön und gut. Nur bedarf es wirklich eines abgespeckten Betriebssytems, um eine Nähmaschine zu bedienen? Wenn es denn wenigstens ein Betriebssystem wäre, könnte ich mir das schon vorstellen. weiterlesen

Monopol bei Fahrzeugen, Monopol bei Verbrauchsgeräten/Visitenkarten – was ist schlimmer?

Ein Monopol wäre es übrigens, wenn ich nur noch Mercedes-Sprit tanken könnte, weil der Tankdeckel und die Zapfpistole patentrechlich geschützt sind oder wenn ich nur noch bei einem Designer meine Visitenkarten bestelle oder wenn jeder seine Visitenkarten nur noch bei einer Person bestellen würde. weiterlesen

Wenn’s Auto in die Werkstatt muss, immer nach Visitenkarte des Chefs fragen!

Ich arbeite seit einiger Zeit im Bereich Autovermietung, wo es sehr wichtig ist, eine gut ausgearbeitete Visitenkarte zu haben. Natürlich sollte auf der Visitenkarte erkennbar sein, dass man ein seriöser Händler ist, also sollte die Visitenkarte schon wirklich gut aussehen. Es gibt aber noch andere Dinge, die man beachten sollte. Es ist es schon recht witzig, was einem so an technischen Neuerungen über den Weg läuft. Das hört nicht gerade bei den Autoradios auf, bei denen man selbst nach längerem Studium der Bedienungsanleitung immer noch nicht in der Lage ist, einen Sender einzustellen und diesen auch noch zu speichern. Es gibt sicherlich auch sinnvolles, das einen entlastet (z.B. Regen- und Lichtsensoren, die Scheibenwischer oder Licht Situationsbedingt von selbst einschalten). Am meisten lenkt (nach eigener Erfahrung) die Bedienung eines Navigationssystems während der Fahrt ab. Da finde ich den Hinweis am Anfang schon recht lustig, daß der Verkehr immer Vorrang hat, vor der Bedienung des Navigationssystems. Warum geht man nicht her, und setzt die Bedienungselemente außer Kraft, sobald sich das Auto in Bewegung gesetzt hat. Ich denke, das wäre technisch recht einfach zu realisieren. Meine Erfahrung hat gezeigt, daß mehr Technik (auch die zur Fahrsicherheit und zum Bedienungskomfort) zu mehr Ablenkung geführt haben und ich denke, das gleiche wird auch mit der Technik passieren, die zur “Kompensation von Technik” eingesetzt würde Privat fahre ich übrigens ein 12 Jahre altes Auto ohne jeglichen technischen Schnick Schnack. Und das hat mich auf den gut 200.000 km bis jetzt noch nicht einmal im Stich gelassen, wohingegen ich schon ganze Ladungen Neuwagen erst mal in die Werkstatt (aber nur in gute Werkstätte, immer die Visitenkarte zeigen lassen! Kann schon mal passieren, dass da plötzlich niemand vor Ort erreichbar ist) schicken mußte. Gerade neuentwickelte Fahrzeuge strotzen nur so vor “Kinderkrankheiten”. Zu viel Technik.

Technik ist nicht gleich Technik

Der Vergleich mit dem Messer greift meiner Meinung nach zu kurz, man sollte nicht triviale Alltagstechniken mit hochkomplexen großtechnischen Systemen gleichsetzen. Diese stellen sowohl in ihrer Produktion als auch in ihrem Gebrauch und vor allen Dingen in ihrer eigendynamischen Entwicklung eine ganz andere Kategorie von Technik dar. Charles Perrow zeigt dies beispielsweise sehr anschaulich in einer breit angelegten Studie über Atomkraftwerke, Petrochemische Anlagen, Luftverkehr, Schiffahrt, Staudämme, Raumfahrt, Kernwaffen und eben auch Genforschung (die allerdings – die Studie wurde 1984 veröffenlicht – einen weniger großen Raum einnimmt). Die zwei entscheidenden Merkmale von Großtechnischen Systemen sind bei ihm Komplexität und Kopplung – besitzt ein System eine hohe Komplexität und sind die verschiedenen Subsysteme und Komponenten zudem eng gekoppelt, kann es zu unerwarteten Interaktionen kommen, die sich dann zu Systemunfällen und unter Umständen sogar zu Katastrophen entwickeln können. Perrow zeigt dies an vielen Beispielen: Tschernobyl, Bhopal, Harrisburg, Flixborough, Challenger, etc. Der entscheidende Beitrag von Perrow liegt meiner Meinung nach in der Erkenntnis, daß diese Risiken weder durch Verbesserung der Personals (Ausbildung, Training, Ruhepausen, Kontrollen etc.) noch durch technische Verbesserungen (mehr Sicherheitssysteme und Redundanzen) gemindert werden können – dadurch wird die systembedingte Ursache – Komplexität & Kopplung – nur weitergesteigert. Der Unterschied zwischen dem Messer und der Gentechnik zeigt sich auch, wenn man sich das nicht-funktionieren bzw. das problematisch-werden vorstellt. Wenn jemand erstochen wird, beschäftigt sich die Öffentlichkeit mit dem Opfer, dem Täter und dem Motiv; das Messer an sich, ob es sicherer gestaltet werden muß, ob Messer verboten gehören, wer alles Schuld daran trägt – das alles wird nicht debattiert. Niemand gibt dem Messer oder der Verwendung die Schuld, die liegt allein im Handeln des Täters. Kommt es jedoch zu einem Unfall in einem gentechnischen Forschunglabor, bei dem vielleicht nicht nur Angestellte verletzt, sondern auch Anwohner und die Umwelt geschädigt werden, sieht die Diskussion schon ganz anders aus: Wer ist verantwortlich (in erster, zweiter, dritter Instanz)? Was war die Ursache? Wie konnte es dazu kommen? Was kann/wird in Zukunft verändert, damit es nicht mehr zu solchen Unfällen kommen kann? War es menschliches oder technisches Versagen, lag es am verwendeten Material oder war es systembedingt? Soviel wollte ich eigentlich gar nicht schreiben… zum Schluß – falls es Dich näher interessiert – vielleicht noch der Titel des Buches von Charles Perrow: Normale Katastrophen. Die unvermeidbaren Risiken der Großtechnik.

Technik vs. Komfort – Technik zur Kompensation von Technik

Wie komfortabel ist ein elektrisches Schiebedach, das sich zwar elektrisch öffnen, aber weder elektrisch noch manuell schliessen lässt? Wie komfortabel ist eine Automatik, die im Stadtverkehr zwar hoch- aber nicht wieder runterschaltet? Wie komfortabel ist eine Bordelektronik, die eine neue und volle Batterie in ca einer Woche leerfrisst, so dass man dann am Wochenende nicht losfahren kann? Wie komfortabel ist ein elektronisch gesteuerter und fast vollständig gekapselter Motor, der ca einen Liter Öl auf 1000km verliert? Wie komfortabel ist die automatische Abschaltung des Blinkers beim Geradeausfahren, wenn der Multifunktionshebel dabei jedes Mal die Nebelscheinwerfer einschaltet? Wie komfortabel ist eine Verbrauchsanzeige, die nur Schrott anzeigt und – sofern man was davon haben will – alle Viertelstunde zurückgesetzt werden muss? Vor dem Opel Omega CD 2.0 16V, Baujahr 1997 kann ich daher nur warnen; sieht schön aus, fährt sich schön und ist sonst eine ziemliche Alpha-Version. Das war 1997! Ich möchte nicht wissen, was sich seitdem getan hat. Hingegen ein oller BMW von 1987 und ein 50er Ostmoped gleichen Jahrgangs fahren und fahren und fahren, ohne dass es Probleme gibt. Womit auch? Der ganze Scheiss, der in dem Opel ständig aufgemuckt hat, den gibts in diesen Fahrzeugen gar nicht. Unser Sysop ist heute jedenfalls zu spät gekommen, weil sein Westmoped nicht fuhr – Batterie alle. Es hat zwar einen komfortablen Elektro-, aber keinen Kickstarter mehr… Nach meiner Ansicht wurden brauchbare Motorfahrzeuge zuletzt in den frühen achtzigern gebaut.

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